Stalingrad - Mythos und MahnmalNoch im Frühjahr 1942 sah es so aus, als ob die Rote Armee keine Chance hätte, die deutsche Wehrmacht jemals zurückzuschlagen. Doch schon im Herbst, in Stalingrad an der Wolga, erlebte die deutsche Wehrmacht in einer Materialschlacht ohne Gleichen ihre erste vernichtende Niederlage im Krieg gegen die Sowjetunion - der Wendepunkt an der Ostfront.
Stalingrad gilt noch immer als die berüchtigste Schlacht des Zweiten Weltkriegs. Zum militärischen Superlativ wurde sie wegen des Kessels, in dem sich die Deutschen seit dem 23. November 72 Tage lang befunden hatten. Nachdem die 6. Armee im Herbst 1942 zunächst 90 Prozent der Stadt erobert hatte, begann die Sowjetarmee am 19. November mit einer Gegenoffensive. Sie führte zur Einkesselung und nach erbitterten Kämpfen am 31. Januar 1943 zur Kapitulation der deutschen Truppen.
Über eine Million Tote
Kaum ein Ereignis der Militärgeschichte hat sich ähnlich traumatisch in das Bewusstsein der Deutschen eingeprägt wie die Schlacht an der Wolga vor 60 Jahren. Mehr als eine Million Menschen starben bei den Kämpfen, Soldaten wie Zivilisten, Russen, Deutsche, aber auch Österreicher, Ukrainer, Rumänen, Ungarn und Italiener - gefallen, erfroren, verhungert.
Während Hitler den militärischen Sachverstand seiner Generäle immer krasser ignorierte, lernte Stalin allmählich, auf seine führenden Militärs zu hören. Die sowjetische Rüstungsproduktion kam in Schwung, und die deutsche Wehrmacht hatte - über 1.500 km weit auf sowjetischem Gebiet - wachsende logistische Schwierigkeiten.
Nach dem Scheitern der deutschen Moskau-Offensive und den erbitterten Abwehrkämpfen des Winters 1941/42 wollte die Führung im Sommer 1942 mit einer neuen Offensive die Entscheidung suchen. Ausgangspunkt der deutschen Katastrophe war die »Operation Blau« - ein geheimer Angriffsplan Hitlers, der auf die russischen Erdölreserven im Kaukasus zielte. Und Hitler war überzeugt von der Durchschlagskraft seiner Elitetruppe, der 6. Armee, die schon am Frankreich-Feldzug erfolgreich teilgenommen hatte: »Mit der 6. Armee kann ich den Himmel stürmen.«
Im August 1942 erreichten deutsche Truppen dann erstmals die Wolga. Anfang September gelang es ihnen, einen Ring um Stalingrad zu schließen. Die Rote Armee hatte sich zu diesem Zeitpunkt jedoch schon in die Stadt zurückgezogen und dort festgesetzt. Von Blitzkrieg und einer schnellen Eroberung konnte mittlerweile keine Rede mehr sein.
Erst Mitte September schafften es deutsche Verbände, bis in das Stadtzentrum vorzudringen. Voreilig feierten sie den Sieg. Für etwa 170.000 deutsche Soldaten wurde die Stadt, die ihren Namen zu Ehren des roten Diktators trug, zum Massengrab. Die Schlacht wurde zu einem erbitterten, zähen und aufreibendem Kampf um Häuserblöcke und Straßenzüge, Mann gegen Mann. Oft nur geringe Erfolge mussten mit ungeheuren Verlusten erkauft werden.
Durchschnittliche Lebenserwartung von 24 Stunden
Sturzkampfbomber legten die Stadt in Schutt und Asche. Am Boden lagen sich die Stellungen bald nur noch ein bis zwei Meter voneinander entfernt gegenüber, mit aufgesetzten Bajonetten kam es zum Nahkampf.
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